Mit Trauerbegleitung in die Lebensfreude.

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Hier ein Gastblog-Artikel von Maija Hinderlich von Beruf Bestatterin.   Dort begleite ich regelmässig ihre Trauernden in einer Trauerrunde.

Horizontbestattungen

Die Trauerbegleitung

Jeder spricht darüber und keiner bietet es an.

WARUM?

Aus meiner Sicht heraus gibt es verschiedene Gründe keine Trauerbegleitung anzubieten, denn warum sollte ein Bestatter sowas tun?

Es entstehen Kosten und es ist ein Zeitaufwand, der sich für den Dienstleister nicht lohnt.

Warum wir in unserem Bestattungsinstitut Trauerbegleitung anbieten ist ganz einfach.

Nicht verarbeitete Trauer ist ein Grundstock für Krankheiten, die durch wirklich gute und einfühlsame Begleitung im Trauerprozess, verhindert werden können.

Ich selbst bin das beste Beispiel für nicht verarbeitete Trauer.

 

Meine Mutter verstarb 3 Monate nach meiner Geburt an Krebs. Mein Vater und meine zum Teil wesentlich älteren Geschwister meisterten das Familienleben beispiellos. Jedoch verstarb mein Vater 6 Jahre später und hinterließ seine 10 Kinder unter anderem mich. Selbstverständlich hatten wir genügend Onkel und Tanten, die sich um uns kümmerten und uns Kindern fehlte es an nichts. Jedoch waren alle, auch ich, weitestgehend auf sich selbst gestellt und alle waren mit ihrer Trauer und dem Verlust des zweiten Elternteiles allein.

Unser Bruder – der Zweitälteste, der, der sich um alles kümmerte, verstarb 4 Jahre nach dem Tod unseres Vaters und hinterließ ebenfalls Familie.

Mittlerweile war ich 10.

Mit 15 verlor ich meine wichtigste Großtante, mit 19 meinen ältesten Bruder.

Zwischendurch verstarben noch eine Schulfreundin und eine Lehrerin und mit jedem Sterbefall lebte man weiter.

Dass dies alles Spuren hinterließ war mir nach dem Scheitern meiner ersten Ehe noch nicht klar.

Ich schob das Scheitern auf das nicht zusammen passen und verliebte mich neu.

Selbst hatte ich mit 25 einem gesunden Jungen das Leben geschenkt und war mal mehr und mal weniger glückliche Mutter.

Dann lernte ich meinen zweiten Mann kennen und irgendwie damit auch mich.

 

Wenn es an der Zeit ist zu Erkennen, dann gibt es kein Entrinnen mehr – und so war das dann auch bei mir.

 

Als auch in der zweiten Ehe Probleme auftauchten und ich mich mehr und mehr im Selbst betrachtete, wusste ich, dass da etwas gewaltig aus dem Ruder gelaufen ist.

 

Ich konsultierte einen Psychologen.

Dieser Mann, war der allererste Mensch in meinen bisher 28 Jahren, der mich fragte warum ich mir eigentlich nicht irgendwann einmal selbst leid getan habe, keine Eltern zu haben und wichtige Menschen verloren zu haben.

Das war das wirklich erste Mal, dass mir bewusst geworden ist, dass ich ein ganz armes Kind bin. Ein Kind das nie ein Kind war, weil es keine Mutter hatte, ein Kind das ein armes Kind ist, weil es seine Eltern viel zu früh verloren hatte.

Ich weinte zum allerersten Mal deswegen.

Ich weinte weil ich keine Mutter hatte, ich weinte weil ich keinen Vater hatte und ich weinte, weil ich wirklich das allerärmste Kind auf Gottes Erdboden war.

 

Von diesem Tag an, fing ich an zu begreifen, dass meine Handlungen, meine Reaktionen und meine Empfindungen daraufhin zu erklären sind, dass ich Verluste in meinem Leben erleiden musste, die nicht normal sind.
Trotz großer Familie, trotz Halt, ich begriff was er heißt, kein Kind mehr zu sein und konnte endlich meine Trauer anschauen.

Ich betrachtete meine Geschwister aus einer anderen Perspektive und sah zum ersten Mal, warum meine Geschwister so sind wie sie sind und warum sie sich verhalten wie sie sich verhalten und warum Reaktionen und Süchte in unserer Familie unerklärlich waren.

 

Ich hatte großes Glück diesen Psychologen durch “Zufall” gefunden zu haben und ging regelmäßig zur Therapie.

 

Selbstverständlich dauerte es auch bei mir, bis ich anders reagieren konnte, bis ich mich auf mich konzentrieren konnte und meine Verlustangst sich schleichend aus mir machte. Wir – mein Mann und ich – konnten beginnen unsere Ehe zu leben ohne Angst haben zu müssen, dass meine Reaktionen und meine Gedankengänge uns aus dem Ruder brachten.

Ich brachte viel mehr Verständnis für meine Geschwister auf und sah sie mit anderen Augen. Selbstverständlich versucht man zu Beginn andere davon zu überzeugen dass sie sich betrachten sollen und schauen sollen woher ihr Verhalten rührt, aber das ist vergebene Liebesmüh und in keinster Weise meine Aufgabe.

 

Ich als Jüngste habe versucht ihnen zu zeigen wie man sich entwickeln kann, mehr kann ich nicht tun.

 

 

Wie es der “Zufall” so will, bin ich durch meinen Mann und seine Arbeit zu meiner Berufung geführt worden.

 

Ich begann in einem Bestattungsinstitut zu arbeiten.

Es machte mir von Anfang an viel Freude mich mit trauernden Menschen zu umgeben, ihnen zu helfen und beizustehen – eben so, wie ich es von meiner damaligen Chefin aus machen durfte – begrenzt.

Ich spürte da gibt es mehr als nur die Begleitung bis zur Beisetzung, ich wusste, da sollte Hilfe angeboten werden, stieß aber mit meinen Ideen auf taube Ohren.

Heute sage ich zum Glück, damals war ich sehr traurig darüber.

Denn als ich in diesem Institut kündigte und mich ein Jahr später mit meinem Mann selbstständig machte wusste ich genau auf was wir unser Augenmerk legen wollen.

 

Auf unsere erste Zeitungsanzeige meldete sich unsere Frau Anne Gruhn mit ihrem Angebot uns bei unserer Trauerbegleitung unterstützen zu wollen.

Ich war hin und weg und keine von uns beiden wusste worauf wir uns einlassen wohin alles läuft.

Wir wussten dass wir Hilfe und Begleitung anbieten wollen, wussten zu der Zeit aber noch nicht wie und ließen alles auf uns zukommen.

Zum ersten Abend waren zwei Angehörige da, das war anstrengend, weil die Anspannung sehr groß war, aber mit jedem neuen Termin wurden wir selbstsicherer und Frau Gruhn professioneller.

Wir können unsere Abende nicht beschreiben, jeder ist anders und individuell und auf die anwesenden Personen ausgerichtet.

Wir wissen nur, dass diese Abende sehr heilsam für die Teilnehmer sind, denn jedes mal wenn ich die Angehörigen wieder treffe spüre ich die Veränderung die sie erlebt haben und das nicht zuletzt durch die Teilnahme an unserer Trauerbegleitungsrunde.

 

Ich wünschte mir, mich und meine Geschwister hätte der Bestatter damals so aufgefangen wie wir das jetzt mit unseren Angehörigen machen, denn so wäre uns viel erspart geblieben.

Andere Seite allerdings ist, ich müsste ihm danken dass er es nicht gemacht hat und es so handhabt wie alle anderen Bestatter auch – Begleitung bis zur Rechnungsstellung – ohne meine Verluste und Erlebnisse wäre ich nicht die, die ich heute bin und ohne dem Gesamten könnte ich meinen Beruf – meine Berufung –  nicht so leben wie ich sie lebe – und ich könnte dieses Angebot nicht an meine Angehörigen weitergeben und ihnen so helfen von Beginn an anders in die Trauer zu gehen und sie zu ver- und bearbeiten.

Horizontbestattungen Visitenkarte

 

Wenn sie an einer Trauerrunde teilnehmen möchten, bitten wir um telefonische Anmeldung.

Rufen Sie jetzt an, 07151/966 950 oder 07191/9 037 903

Gerne können Sie auch einen Einzeltermin bei mir vereinbaren.

07151/1 69 37 96

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